Beton Ciré oder Mikrozement: gibt es einen Unterschied?

Fugenloses Bad aus Mikrozement in Greige: bodengleiche Dusche, Waschtisch und Boden ohne Fugen

Kurz gesagt

Beton Ciré oder Mikrozement: Im Kern ist es dasselbe Material, eine dünne zementgebundene Spachtelmasse, die in mehreren Schichten aufgetragen und versiegelt wird. Beton Ciré ist der französische Name, Mikrozement der in Deutschland übliche, dazu kommen Markennamen. Unterschiede gibt es zwischen den Systemen einzelner Hersteller und vor allem in der Verarbeitung. Für die Qualität zählen Untergrund, Schichtaufbau, Abdichtung und Versiegelung, nicht der Name.

Beton Ciré oder Mikrozement? Diese Frage stellen uns viele Kunden, nachdem sie zwei Angebote mit unterschiedlichen Begriffen bekommen haben. Manche glauben, das eine sei hochwertiger als das andere. Die kurze Antwort: Es ist im Wesentlichen dasselbe. Die lange Antwort lohnt sich trotzdem, denn hinter den Namen stecken echte Qualitätsunterschiede, nur an anderer Stelle.

Woher die Namen kommen

Béton ciré ist Französisch und heißt wörtlich „gewachster Beton“. Der Begriff stammt aus Frankreich, wo dünne Zementspachtelungen mit Wachsoberfläche seit Jahrzehnten in Wohnungen eingesetzt werden. Früher wurde tatsächlich gewachst, heute versiegelt man fast immer mit Lack auf Wasser- oder Polyurethanbasis. Der Name ist geblieben. In Deutschland schreibt man ihn oft ohne Akzent als Beton Cire.

Mikrozement (spanisch microcemento, englisch microcement) ist der Begriff, der sich über Spanien und Italien verbreitet hat. Er beschreibt das Material sachlicher: Zement mit sehr feinem Korn.

Dazu kommen Markennamen. Hersteller nennen ihre Systeme mit eigenen Fantasienamen. Auch Begriffe wie Microtopping oder Betonspachtel tauchen auf. Einen Überblick gibt unser Beitrag Microtopping, Topciment und andere Marken.

Für den Kunden heißt das: Ein Angebot für Beton Ciré und eines für Mikrozement können genau dasselbe meinen. Oder zwei sehr unterschiedliche Leistungen. Der Name verrät es nicht.

Drei typische Missverständnisse

„Beton Ciré ist echter Beton.“ Nein. Es ist eine dünne Spachtelung auf Zementbasis, kein gegossener Beton. Sie hat weder dessen Dicke noch dessen Gewicht.

„Beton Ciré ist edler, Mikrozement ist die günstige Variante.“ Das stimmt nicht. Die Bezeichnung hängt oft davon ab, welchen Begriff ein Anbieter oder Hersteller bevorzugt. Manche nutzen den französischen Namen, weil er hochwertiger klingt.

„Beton Ciré ist gewachst und deshalb nichts fürs Bad.“ Früher wurde gewachst, heute fast nie. Mit moderner Versiegelung und einer Abdichtung darunter funktioniert das Material in Bad und Dusche, unabhängig vom Namen.

Gleiches Material, unterschiedliche Systeme

Alle diese Produkte haben eine ähnliche Grundidee: Zement als Bindemittel, feine mineralische Füllstoffe, Kunststoffzusätze für Haftung und Flexibilität, Pigmente für die Farbe. Aufgetragen wird in wenigen Millimetern, in mehreren Schichten, mit Versiegelung am Ende.

Unterschiede zwischen den Systemen gibt es trotzdem:

  • Einkomponentig oder zweikomponentig. Bei Einkomponenten-Produkten ist der Kunststoff als Pulver schon im Sack, man mischt nur mit Wasser. Bei Zweikomponenten-Systemen kommt ein flüssiges Harz dazu. Das erlaubt mehr Kontrolle über Haftung und Elastizität. Wir arbeiten mit professionellen Zweikomponenten-Systemen.
  • Körnungen. Viele Systeme haben eine gröbere Basisschicht und eine feinere Deckschicht. Wie fein die letzte Schicht ist, bestimmt, wie glatt die Oberfläche wird.
  • Einsatzbereich. Manche Produkte sind nur für Wände, andere ausdrücklich für Böden mit hoher Belastung, wieder andere für Nassbereiche.
  • Versiegelung. Wachs, Wasserlack, Polyurethan, ein- oder zweikomponentig, matt oder seidenmatt. Hier liegen große Unterschiede in der Beständigkeit.

Ein Beton-Ciré-Boden kann also besser oder schlechter sein als ein Mikrozement-Boden. Das liegt am System und an der Verarbeitung, nicht am Etikett. Mehr auf unserer Seite Beton Ciré.

Sie haben schon ein Angebot und sind unsicher? Schicken Sie uns Fotos vom Raum auf WhatsApp. Wir sagen Ihnen innerhalb von 24 Stunden kostenlos, was bei Ihrem Untergrund nötig ist, damit Sie vergleichen können.

Worauf es bei der Qualität wirklich ankommt

Die meisten Schäden, die wir an Mikrozement oder Beton Ciré sehen, haben nichts mit dem Material zu tun. Sie entstehen in der Vorbereitung oder durch fehlende Schritte. Das sind die Punkte, die zählen:

Der Untergrund. Mikrozement ist dünn. Er überträgt jede Bewegung von unten. Hohl liegende Fliesen, Risse im Estrich, Feuchtigkeit oder ein schwingender Holzboden zeichnen sich früher oder später ab. Ein guter Verarbeiter prüft den Untergrund, klopft Fliesen ab, misst Feuchte und saniert Schwachstellen vorher.

Grundierung und Haftbrücke. Auf Fliesen braucht es eine spezielle Haftbrücke, auf saugenden Untergründen eine passende Grundierung. Ohne sie kann sich der Belag lösen.

Armierung. An Übergängen, Ecken und über alten Fugen wird oft ein Gewebe eingebettet. Es verteilt Spannungen und beugt Rissen vor. Warum das wichtig ist, steht im Artikel Mikrozement Risse.

Abdichtung im Nassbereich. In der Dusche gehört unter den Mikrozement eine Abdichtung nach den Regeln für Bäder. Mikrozement allein ist keine Abdichtung, auch wenn die Versiegelung Wasser abweist. Details im Beitrag Ist Mikrozement wasserdicht?.

Schichtaufbau. Mehrere dünne Schichten, jede mit ausreichender Trocknung nach Herstellerangabe und Raumklima. Wer schneller fertig werden will und Schichten spart oder zu früh weiterarbeitet, riskiert Haftungsprobleme.

Versiegelung. Sie entscheidet über Fleckenschutz und Abriebfestigkeit. Böden brauchen eine andere Versiegelung als Wände. Eine Schicht reicht selten.

Die Qualität eines fugenlosen Bodens wird also zu einem großen Teil in Arbeitsschritten gemacht, die man am Ende nicht mehr sieht.

Wo das Material an Grenzen stößt

Egal unter welchem Namen: Das Material hat Grenzen, die man kennen sollte. Auf schwingenden Holzböden, auf frischem, noch feuchtem Estrich oder auf Untergründen mit aktiven Rissen ist es keine gute Idee. Im Außenbereich braucht es ein eigenes System und eine Prüfung vor Ort, ein Innenprodukt einfach auf die Terrasse zu ziehen, funktioniert nicht. Und wer eine absolut gleichmäßige, maschinell wirkende Fläche erwartet, wird mit einer handgespachtelten Oberfläche nicht glücklich. Welche Schwächen es sonst noch gibt, steht offen im Beitrag Mikrozement Nachteile.

Was ein Angebot enthalten sollte

Wenn Sie Angebote vergleichen, hilft diese Liste. Ein seriöses Angebot für Beton Ciré oder Mikrozement sollte klar sagen:

  1. Welche Flächen. Boden, Wände, Dusche, Waschtisch, Treppe, jeweils mit Fläche oder Laufmetern.
  2. Wie der Untergrund vorbereitet wird. Prüfung, Ausbesserung, Schleifen, Grundierung, Haftbrücke.
  3. Ob Armierungsgewebe eingesetzt wird. Und wo.
  4. Ob und wie abgedichtet wird. Bei Duschen und Badböden ein Muss.
  5. Wie viele Schichten Mikrozement aufgetragen werden.
  6. Welche Versiegelung, und wie viele Lagen.
  7. Was nicht enthalten ist. Bei uns zum Beispiel Sanitär und Elektrik. Abläufe und Armaturen macht Ihr Installateur, wir stimmen die Termine mit ihm ab.
  8. Welche Garantie schriftlich gegeben wird.
  9. Ob Farbmuster vorab möglich sind.

Fehlen davon mehrere Punkte, lohnt eine Nachfrage. Ein Angebot, das nur „Beton Ciré, X Quadratmeter“ enthält, ist schwer zu vergleichen. Was die Kosten tatsächlich treibt, zeigen wir auf der Seite Kosten Beton Ciré.

Wir geben eine schriftliche Garantie und schicken Farbmuster kostenlos vorab. Den genauen Preis nennen wir nach Fotos oder Besichtigung, nicht pauschal pro Quadratmeter.

Warum Muster mehr sagen als Namen

Ein Muster zeigt, was der Name nicht zeigt: Farbton, Struktur, Glanz der Versiegelung und wie sich die Fläche anfühlt. Bitten Sie um ein Muster in Ihrem Wunschton, am besten mit derselben Versiegelung, die später verwendet wird. Legen Sie es auf den Boden oder halten Sie es an die Wand, bei Tageslicht und abends. Unsere Farbmuster sind kostenlos, eine Übersicht der Töne finden Sie unter Farben.

Und wenn der Handwerker nur einen Namen nennt?

Fragen Sie konkret nach. Welches System, ein- oder zweikomponentig? Wo wurde es schon in Duschen eingesetzt? Kann ich ein Muster sehen, das mit genau diesem System gemacht wurde? Ein guter Verarbeiter beantwortet diese Fragen ohne Umwege. Wenn auf jede Nachfrage nur „das ist das Beste auf dem Markt“ kommt, ist Vorsicht angebracht.

Unsere Arbeit beschreiben wir auf den Seiten Mikrozement Bad und Mikrozement Handwerker.

Kurz gesagt

Beton Ciré und Mikrozement sind zwei Namen für dieselbe Materialfamilie. Der Name sagt nichts über Qualität. Entscheidend sind das konkrete System, die Vorbereitung des Untergrunds, Abdichtung, Schichtaufbau und Versiegelung, und damit der Handwerker, der es ausführt.

Wenn Sie wissen wollen, was bei Ihrem Bad, Boden oder Ihrer Küche nötig ist, schicken Sie uns Fotos. Sie bekommen innerhalb von 24 Stunden eine Einschätzung, ehrlich und ohne Fachchinesisch. Wer lieber erst die Grundlagen liest, findet sie im Beitrag Was ist Mikrozement.